Andacht zu Ostern (Pfr. Erwin Sergel)

OsterkerzeB. Hummel: Christ ist erstanden (Orgel: Andrea Wehrmann)

Das Osterevangelium bei Johannes im 20. Kapitel

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein 12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. 13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. 16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! 17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie so eine Situation, wie wir sie im Evangelium über Maria Magdalena erzählt bekommen haben? Manchmal sind wir so gefangen in unseren Gedanken, dass wir gar nicht glauben, je wieder herauszukommen.

Das sagt man doch so: Ich brauch Abstand. Ich müsste jetzt mal wegfahren. Einfach um mal rauszukommen. Das ist im Moment natürlich schwierig. Aber erinnern Sie sich an solch eine Auszeit? Danach ist der Kopf oft wieder klarer. Die Dinge, die die Gedanken gefangengenommen haben, treten in den Hintergrund. Man nimmt wahr: Es gibt einfach noch so viel mehr Leben als den kleinen Ausschnitt, der mich so sehr beschäftigt.

Manchmal reicht dazu auch schon ein Spaziergang oder eine Runde mit dem Fahrrad. Oder eben die Begegnung mit einem Menschen, der einem sagt: „Egal, was Dich gefangen hält: Ich steh zu dir!“

Maria Magdalena am leeren Grab ist bedrängt von vielen Fragen. Nach Leben und Tod und nach dem Sinn dessen, woran sie geglaubt hat. Ihre Gedanken kreisen immer wieder um die schrecklichen Bilder auf Golgatha. Dort hing Jesus, ihr Freund, ihr Lehrer, der Mann, nach dem sie ihr Leben ausgerichtet hatte, sterbend am Kreuz. Es hat ihr in den letzten Tagen den Boden unter den Füßen weggezogen. Mit Tränen in den Augen steht sie nun vor seinem Grab. Und jetzt ist das Grab auch noch leer. Sogar der Leichnam ist nun weg.

Diese Geschichte von Maria Magdalena ist mir in diesen Tagen sehr nah. Wir leben in einer Situation, die keiner vorher kannte. Wir wissen nicht, wann und wie das gewohnte Leben weitergehen wird. Das Lesen im Internet kann einen richtig gefangen nehmen. Und wenn man sich zu lange mit den Nachrichten über den Virus beschäftigt, kann man geradezu trübsinnig werden.

Und so vieles schmerzt gerade. Kranke ringen mit dem Tod. Andere müssen um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten. Und zugleich sehnen wir uns nach Gemeinschaft. Wir wollen uns wieder besuchen können, zusammen feiern,  zusammen singen und musizieren, einfach nur ohne Vorsicht zusammenkommen können.

Diese Sehnsucht nach Gemeinschaft haben Große und Kleine, Junge und Alte aus unserer Gemeinde auf der neuen Osterkerze zum Ausdruck gebracht. Dort kann man finden, worauf sie alle sich freuen, wenn das Leben wieder aufblüht:

Musizieren, Fußball spielen, zum Zeltlager Lindenbichl fahren. Auf der Kerze sind viele Herzen zu finden, auch Puzzleteile, die ineinander eingehakt sind, aber auch ein Pferd und ein Lagerfeuer und einfach mehrere Menschen, die sich an den Händen fassen. All das wollen wir wieder erleben können. Die guten Erinnerungen daran und die Sehnsucht danach haben wir auf die Osterkerze geklebt:

Herr, du bist doch ein Gott des Lebens. Von dir erhoffen wir Heil und Rettung für unsere Welt. Hilf Herr, sei uns nahe!

Marias Fragen und Sorgen verstummen, als Jesus sie mit ihrem Namen anspricht: „Maria“. Plötzlich ist alles wieder vertraut. Sie kennt die Stimme. Das gibt es doch nicht! Was ist passiert? Sie kann es kaum fassen.

Ihre Sicht auf ihren Schmerz, auf ihr Leid, auf ihre Welt ist mit diesem einen Wort komplett verändert. Jesus nennt sie bei ihrem Namen. Er lebt. Hat der Tod also nicht das letzte Wort behalten? Maria merkt: Jesus ist mir nah. Er kennt mich immer noch.

Ich wünsche Ihnen und Euch ein gesegnetes Osterfest, an dem ihr ahnt, dass der Auferstandene auch euren Namen ruft. Amen.

 

Der Herr ist auferstanden!

Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

E. Pepping: Wir wollen alle fröhlich sein (Orgel: Andrea Wehrmann)