Andacht zum Weißensonntag (Pfr. Friedrich Woltereck)

Andrea Wehrmann, Orgel
 
Lesung und Predigttext: Jesaja 40, 26-31
26Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? 28Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. 30Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; 31aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
  
Evangelium: Johannes 20, 19-29
19Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. 21Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 23Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
24Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich‘s nicht glauben.
26Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! 27Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
 
Predigt
Predigttext: Jesaja 40, 26-31
 
Matt und müde. Das ist schon seltsam, in diesem Jahr beginnt der Frühling sehr früh mit Sonnenschein, angenehmen Temperaturen. Überall blüht es. Und doch, irgendwie ist alles gehemmt. Dieser Tage wird uns bewusst, wie wichtig der Kontakt zu anderen Menschen ist, wie häufig wir mit Anderen zusammen sind - bewusst wie unbewusst.
Noch einmal eine Woche lang Ausgangssperre, das ist gar nicht so einfach. So vieles bleibt liegen. Auch die Unsicherheit, ob und wann wir wieder wie früher leben können, nagt an einem.
Die körperliche Konstitution macht es nicht aus, ob man sich frisch und voller Tatendrang fühlt oder ob man nicht so recht etwas mit sich und anderen anzufangen weiß. Es geht um etwas viel tiefer Liegendes in uns: der innere Antrieb, Lebensfreude, Optimismus.
Mit so vagen Ansagen wie vom letzten Mittwoch ist es recht schwer, loszustürmen ins Leben. Man bräuchte so etwas wie einen Motivator. Genau das will der Prophet Jesaja für sein Volk Israel sein. „Endlich, endlich“, sagt er, „liegt die Zukunft in unseren Händen! Packen wir es an!“ Und er zeigt auf Gott und seine Kraft.
Jesajas Aufgabe ist, den Israeliten eine Rückkehr nach Israel schmackhaft zu machen. Zurück ins Vaterland nach 50 Jahren Exil in Babylonien! Aber jetzt haben sich alle gut eingerichtet in Babylonien. Alles ist perfekt: Straßen, Häuser, Arbeit, Spaß und Freude miteinander. Israel dagegen ist zerstört vom Krieg. Eine Rückkehr nach Israel schmeckt nach Staub, Schweiß und Unsicherheit.
Jesaja zeigt auf Gott. Er behauptet nicht, dass die Rückkehr nach Israel ein Fingerschlecken wird, aber er betont, dass Gott Neues möglich werden lässt. Neues, das sich lohnt.
Gott wird das nötige Durchhaltevermögen geben. Er wird dazu beitragen, dass die Pläne, die man schmiedet, auch Wirklichkeit werden können.
Das mag sehr einfach klingen. Jesaja hat aber einige zur Rückkehr motivieren können - und ein nicht geringer Anteil seines Volkes ist in Babylonien geblieben. Die, die sich auf Jesaja und seine Botschaft eingelassen haben, durften erleben, wie Gott tatsächlich neue Kraft, neue Ideen und die nötige Motivation schenkt.
Vielleicht entfalten Jesajas Worte auch ihre Kraft an uns, wenn wir uns darauf einlassen. Es stimmt ja schon, alles um uns herum stammt aus Gottes Ideen und Gottes Schöpferkraft. Vieles in unserem Leben hat sich so ergeben, zum Glück. Wie häufig mag da Gott im Hintergrund Regie geführt haben? Wenn so Vieles von ihm abhängt, vielleicht reicht dann doch die Gewissheit aus, dass Gott uns Leben und Zukunft gibt, um wieder Energie zu haben für heute und morgen. Hoffentlich, es lohnt sich!
 
Es grüßt Sie
Ihr Pfarrer
Friedrich Woltereck
 
Andrea Wehrmann, Orgel
 
Gebet
Herr, guter Gott,
deine Augen sehen weiter als unsere Augen.
Du hast Phantasie, etwas Besonderes aus dem werden zu lassen, was ist.
Bitte lass uns die Welt mit deinen Augen sehen.
Bitte schenke uns deinen Sonnenschein in unserem Leben
und lass uns ein Sonnenschein für Andere sein.
Amen.
 
Andrea Wehrmann, Orgel